Dezember 2003
von Dr. Cornelia Limpricht, Hamburg
TUCSIN - Hamburg
TUCSIN ist
bekannt für seine Aufbaukurse für namibische
Schulabgänger. Neben diesen jährlich stattfindenden Kursen,
entwickelt und führt TUCSIN auch gänzlich neue Kurse
durch. Das war beispielsweise der Fall bei einem Kurs für
Seekadetten für das namibische Fischereiministerium. Ferner wurde
auf Wunsch des namibischen Verteidigungsministeriums ein Kurs für
junge Soldaten gegeben. Für die Universität von Namibia
führte TUCSIN einen einjährigen Vorkurs im Fachbereich
Landwirtschaft durch. Und kürzlich wurde ein Public Relations Kurs
für San-Gemeinschaften im südlichen Afrika entwickelt und
durchgeführt. In allen Fällen nahm die weitere berufliche
Entwicklung der Kursteilnehmer einen positiven Verlauf.
TUCSIN ist in
der Lage, Kurse mit sowohl akademischer als auch mit praxisbezogener
Zielsetzung inklusive der Studienmaterialien zu entwickeln und
durchzuführen. Organisationen, die daran Interesse haben,
mögen bitte TUCSIN-Windhoek oder TUCSIN-Hamburg kontaktieren.
TUCSIN Windhoek
2003 konnte TUCSIN sein 25jähriges Jubiläum
feiern. Ein ausführlicher Berichtsband zur Arbeit von TUCSIN
entstand. Neben einer chronologischen Darstellung würdigten
ehemalige Studenten und Absolventen das Wirken von TUCSIN. Ein
schöner Beitrag zum Jubiläum war die Spende von 12 gebrauchten Computern durch die Universität Hohenheim, die noch dazu von Air Namibia kostenfrei transportiert wurden.
Insgesamt nahmen
451 Studenten an den verschiedenen Kursen teil, die an drei
verschiedenen Orten stattfinden: einerseits im bekannten
Hauptgebäude im Windhoeker Zentrum, Independence Street 448, ferner im Rössing Foundation Education Centre im Windhoeker Stadtteil Khomasdal, und andererseits im Norden Namibias, in Oshakati.
Personal
2003/2004
beschäftigt TUCSIN 30 Mitarbeiter, die meisten von ihnen
Lehrer(-innen), in Teil- und Vollzeitverträgen. Etliche von ihnen
haben Doppelfunktionen, indem sie neben ihrer Unterrichtstätigkeit
auch Projektleiter verschiedener Bereiche sind. Der ehrenamtliche
Vorstand von TUCSIN, der aller zwei Monate zusammenkommt, besteht
mittlerweile fast ausschließlich aus ehemaligen TUCSIN -
Absolventen.
Das TUCSIN 2000 - Programm
Vor dem
Hintergrund zahlreicher ausländischer Forschungsaktivitäten
in Namibia, bemüht sich TUCSIN nach wie vor recht erfolgreich
Kontakte zwischen einheimischen Studenten und ausländischen
Wissenschaftlern und Institutionen zu vermitteln. Die Teilnehmer der
deutschen Forschungsprogramme BIOTA (Biodiversity Monitoring Transect Analysis in Africa) wie auch ACACIA (Arid Climate Adaption and Cultural Innovation in Africa) verwenden TUCSIN-Windhoek als Basisstation.
Verschiedentlich konnten TUCSIN-Studenten Wissenschaftler bei
Feldkampagnen begleiten. Auch im Jahr 2003 fanden die sog.
Montagsgespräche statt, bei denen sich ausländische
Gastwissenschaftlern den Fragen von TUCSIN-Studenten stellen. Diese
Vorträge und Diskussionen sind Teil einer informellen
Berufsberatung für die Studenten.
Die
Universität von Barcelona entsandte erneut zwei fortgeschrittene
Lehramtskandidaten, die die Aufbau-Kurse in Oshakati und in Windhoek in
den Fächern Mathematik und Biologie unterstützten.
Die amerikanische Ethnologin und San-Forscherin Megan Biesele lieferte einen spannenden und positiven Beitrag im Rahmen des PR-Kurses für San-Studenten (s. u.).
Die Organisation NaTH (Namibian Academy for Tourism and Hospitality)
veranstaltet nach wie vor in den Räumen von TUCSIN einen Teil
ihrer Kurse, in denen Erwachsene als Reiseleiter ausgebildet werden. Es
besteht die Idee, den sog. PR-Kurs von TUCSIN in modifizierter Form in
Zusammenarbeit mit NaTH anzubieten.
Die Ausbildung
lokaler Reise- und Touristenführer stößt in
ländlichen Gebieten Namibias auf großes Interesse. Ende 2003
etablierte sich das sog. Etanga-Projekt: Hierbei geht es darum,
Vertreter der Himba-Gemeinde Etanga (Kaokofeld) zu lokalen
Fremdenführern auszubilden. Das Projekt ist eine Initiative der
Gemeinde selbst.
TUCSIN–Ehemaligen–Vereinigung (Alumni Association)
2003 gab es zum 25jährigen Jubiläum von TUCSIN eine bemerkenswerte Initiative ehemaliger Absolventen und zwar die TUCSIN-Alumni-Talks.
Im Abstand von 14 Tagen wurden Ehemalige zu ihrem Werdegang,
Berufsleben und zu ihren Erfahrungen im nationalen Radio interviewt.
Dies war nicht nur eine positive Werbung für TUCSIN, sondern
diente auch dazu, jungen Hörern wichtige Informationen zur
Berufswahl zu geben.
Auch die Idee der TUCSIN Alumni Consultancy
wurde weiterentwickelt. Dies ist ein loser Zusammenschluss von
TUCSIN-Absolventen, die im Berufsleben stehen. Hier können aus-
wie inländische Institutionen oder auch Firmen, die bestimmte
inländische Experten benötigen, sich in ganz
unterschiedlichen Feldern Rat und Expertise einholen. Drei TUCSIN Alumni sind
auch im Vorfeld des Etanga-Projektes bereits tätig geworden, indem
sie ehrenamtlich die Gemeinde in Etanga bei der Planung eines
zukünftigen Ressourcen-Centers berieten.
Kurse und Stipendien
Das
Unterrichtsjahr 2003 begann im Februar mit der feierlichen
Eröffnung der Kurse durch Pastor Z. Kameeta (Evangelical Lutheran
Church in Namibia), der als prominenter Gastredner sich erneut zum
Thema Tribalismusgefahr in Namibia äußerte und so für
einiges Aufsehen sorgte.
Ein
empfindlicher Schlag für TUCSIN war die Streichung der Mittel
durch das namibische Ministerium für Aus- und Weiterbildung
(Higher Education). Die seit 1998 jährlichen Zuwendungen von
250.000 N$ für TUCSIN wurden eingespart. Damit kann TUCSIN
Teilnehmern der Aufbaukurse keinerlei Teil- oder Komplettstipendien
mehr gewähren. In der jährlichen Jahreshauptversammlung von
TUCSIN wurden im März daher zwei mögliche Auswege diskutiert:
Man könne entweder mehr zahlende Teilnehmer pro Kurs zulassen, was
letztlich die Qualität der Kurse mindert oder die Gebühren
insgesamt anheben, was ärmere Studenten ausgrenzen würde.
Aufbaukurse
An den diesjährigen Aufbau-Kursen nahmen im TUCSIN-House Windhoek 118, in Oshakati 134 Schulabgänger teil. Der Vollzeit-Kurs
setzt inhaltlich Schwerpunkte in den Fächern Biologie,
Naturwissenschaften, Mathematik und Englisch. In Oshakati war der
Frauenanteil mit zwei Dritteln der Teilnehmer besonders hoch, da
bevorzugt Studentinnen durch ein amerikanisches Programm gefördert
wurden. Die meisten der Teilnehmer streben keine Hochschulausbildung
an, sondern sie wollen ihre Anstellungschancen verbessern.
Fernstudium
Die Aufbau-Kurse im Fernstudium (Tutorial Course), die im Rössing Foundation Education Centre in Khomasdal
abgehalten werden, wurden 2003 von 187 Studenten besucht. Dies sind
Teilzeit-Kurse für Berufstätige. Auch hier werden die oben
genannten Fächer angeboten.
San Public Relations Kurs
Im März 2003 endete dieser neu von TUCSIN entwickelte Kurs für zukünftige Öffentlichkeitsarbeiter von San-Gemeinschaften in Botswana und Namibia (wir berichteten davon, NAMIBIA MAGAZIN 4/02, S. 22f.). 10 von 12 der von WIMSA (Working Group for Indigenous Minorities in Southern Africa) ausgesuchten San-Studenten bestanden die Prüfungen. Ziel des Kurses war es auch, sie in der Vertretung der eigenen Interessen zu schulen und die Eigeninitiative dieser benachteiligten Gruppe zu stärken.
Über den Verlauf des einjährigen Kurses wurde ein Video erstellt,
welches in aufschlussreicher Weise, die Entwicklung der Teilnehmer von
schüchternen jungen Leuten hin zu selbstbewussten
Persönlichkeiten zeigt. Diejenigen, die noch keine feste
Anstellung hatten, sind nun entweder bei regierungsnahen Institutionen
oder Nicht-Regierungs-Organisationen angestellt. Den Übrigen
wurden bessere und verantwortungsvollere Posten angeboten. Vier von
ihnen wohnten in der Zwischenzeit nationalen und internationalen
Konferenzen bei, wo sie ihre Gemeinschaften vertraten. Entwurf, Planung
und Durchführung lagen in den Händen von Dr. B. Sandelowsky.
Stipendienporgramm
2003 betreute TUCSIN 40 Stipendien, die über den DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst)
vergeben wurden. Es handelt sich hierbei um Hochschulstipendien
für fortgeschrittene Studenten, da der DAAD schon seit Jahren
keine Studienanfänger mehr fördert. Die Studienfächer
waren hauptsächlich natur- und wirtschaftswissenschaftlich
ausgerichtet. Wie jedes Jahr musste TUCSIN der dreifachen Anzahl von
Bewerbern absagen.
Des Weiteren
betreute TUCSIN 93 Stipendien einer amerikanischen
Frauenförderungsorganisation. 90% der Stipendien gingen an
Studentinnen, die an den Aufbaukursen in Oshakati teilnahmen, 10 % der
Stipendien finanzierten die Ausbildung zur Krankenschwester, ebenfalls
in Oshakati.
TUCSIN Sozialprogramm
Aufgrund der
Tatsache, dass TUCSIN seit 1993 Erfahrung mit der Betreuung von
verwaisten Kindern und Jugendlichen hat, sind in Zusammenarbeit mit
Terre des Hommes in den letzten beiden Jahren neben dem sog.
"Ex-DDR-Kinder" - Projekt zwei neue Projekte entwickelt worden.
Waisen-Projekt
In Namibia gibt
es gegenwärtig 85.000 Waisenkinder. Ungefähr die Hälfte
von ihnen haben ihre Eltern auf Grund von HIV/Aids Infektionen
verloren. Zusammen mit Terre des Hommes, Deutschland, versucht TUCSIN
Verbesserungen der Lebensbedingungen für 30 dieser Kinder
herbeizuführen. Dies ist selbstverständlich nur ein Tropfen
auf den heißen Stein. Private Unterstützung ist daher sehr
willkommen.
Kampagne gegen Missbauch von Kindern und gegen Kinderhandel
Studenten und
Angestellte von TUCSIN beteiligen sich zusammen mit Terre des Hommes an
dieser, das ganze südliche Afrika betreffenden Kampagne, die 2002
begann. Am Tag des African Child (14. Juni 2003) veranstaltete TUCSIN
einen Umzug aller Mitarbeiter und Studenten. Man zog in einer Art
Demonstrationszug durch die Independence Avenue bis zum sog. Zoopark in
der Stadtmitte, wo die abschließende Kundgebung stattfand. Hier
hielt Pastor Nakamehla eine aufrüttelnde Rede zum Thema Gewalt gegen Frauen und Kinder.
Eine breit angelegte Ursachenforschung,
wieso sich dieses Phänomen, u. a. die zunehmende Vergewaltigung
Minderjähriger, in Namibia ausbreitet, wäre
wünschenswert und notwendig.
"Ex-DDR-Kinder"-Projekt
Nach Namibias
Unabhängigkeit wurden ca. 430 Kinder, die während des
Freiheitskrieges in Ostdeutschland lebten, nach Namibia repatriiert.
TUCSIN half und hilft weiter bei der Re-Integration dieser Jugendlichen
und jungen Erwachsenen. Die letzten 8 „Ex-DDR-Kinder“ verlassen dieses
Jahr die Schule. Für sie und diejenigen in der Ausbildung sucht
TUCSIN nach wie vor individuelle und privat finanzierte Patenschaften. Wenn Sie an einer Patenschaft interessiert sind, wenden Sie sich bitte an TUCSIN-Windhoek oder TUCSIN-Hamburg.
Für alle Projekte, das "Ex-DDR-Kinder" und das Waisen-Projekt,
das Stipendienprogramm, die Bibliothek von TUCSIN (Computer,
Zeitschriften und Bücheranschaffungen) besteht die
Möglichkeit, Patenschaften zu übernehmen und auch
Spendenbescheinigungen zu erhalten. Für weitere Informationen
wenden Sie sich bitte an:
TUCSIN-Hamburg:
Dr. Cornelia Limpricht
Willistraße 39
D-22299 Hamburg / Deutschland
E-Mail: Formular
TUCSIN-Konto:
c/o Deutsch-Namibische-Gesellschaft
Stichwort "TUCSIN & <Projekt und Name des Spenders>"
Bank: Dresdner Bank AG, Düsseldorf
Kto.: 211350803
BLZ: 30080000
Oder Sie wenden sich direkt an:
TUCSIN-Windhoek
P.O.Box 11174
Windhoek 9000 / Namibia
Tel.: 00264-61-224840
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