Dezember 2002
von Dr. Cornelia Limpricht, Hamburg
TUCSIN - Hamburg
2002 gab es eine erfreuliche Zunahme von Patenschaften für sog. Ex-DDR-Kinder. Reinhard Puchstein, Hamburg und Familie Born aus Münster fördern die Ausbildung je eines "Patenkindes".
Durch Klaus-Jürgen Hedrich MdB, Mitglied der DNG, kam eine Schulpartnerschaft zwischen der Oanob Primary School, Rehoboth, und der Grundschule Wathlingen in Niedersachsen zustande. Die Kinder und Jugendlichen korrespondieren bereits miteinander, ein Lehreraustausch ist geplant und könnte im nächsten Jahr stattfinden.
Ab und zu kamen
Anfragen, ob TUCSIN neue Computer gebrauchen könnte? Ja, TUCSIN hat
großen Bedarf an neuen Computern für das Training der Studenten.
Da aber der Transport von Geräten von Deutschland nach Namibia gewisse
Unwägbarkeiten enthält (Kosten des Transports, Zollprobleme, englische(s)
Betriebssystem, Textverarbeitung und Tastatur), ist es grundsätzlich
einfacher, die Geräte in Namibia zu kaufen, zumal man dann vor Ort auch
besser Reklamationsprobleme regeln kann. Eine 1:1 Umsetzung von hier gespendetem
Geld für Computeranschaffungen von TUCSIN ist gewährleistet und
könnte jederzeit von Spendern geprüft werden. Falls Sie Interesse
haben, wenden Sie sich bitte an TUCSIN-Hamburg oder
TUCSIN-WINDHOEK.
Windhoek TUCSIN-House
Im nächsten Jahr begeht TUCSIN sein 25jähriges Jubiläum, die Planungen laufen bereits.
Die Aktivitäten (Kurse, Vorträge, Unterricht) von TUCSIN finden räumlich an drei verschiedenen Orten statt: einerseits im bekannten Hauptgebäude im Windhoeker Zentrum, Independence Street 448, ferner im Rössing Foundation Education Centre im Windhoeker Stadtteil Khomasdal, andererseits im Norden Namibias, in Oshakati. Hier wurde eine Zweigstelle von TUCSIN gegründet.
Die namibische Organisation Namibian Academy for Tourism and Hospitality veranstaltet in den Räumen von TUCSIN einen Teil ihrer Kurse, in denen Erwachsene als Reiseleiter ausgebildet werden. In Ferienzeiten oder bei schwächer besetzten Kursen können TUCSIN-Studenten an Kursen über Namibia, Geologie, Anthropologie, Archäologie und Kulturentwicklung in Namibia teilnehmen - ohne extra bezahlen zu müssen.
Personal
In diesem Jahr beschäftigt TUCSIN 23 Mitarbeiter, die meisten von ihnen Lehrer(-innen), in Teil- und Vollzeitverträgen. Etliche von ihnen haben Doppelfunktionen, indem sie neben ihrer Unterrichtstätigkeit auch Projektleiter verschiedener Bereiche sind.
Die neue Direktorin von TUCSIN, Henriette Rispel, hat ihr erstes Jahr glänzend "überstanden". Der Vorstand wird nach wie vor von Dr. Beatrice Sandelowsky geleitet. Ihr stehen sechs ehrenamtlich arbeitende Vorstandsmitglieder, meist ehemalige TUCSIN-Absolventen, zur Seite.
TUCSIN 2000
Schon immer vertrat TUCSIN auch die Idee informeller Bildungs- und Erziehungsideale und sieht sich als Kontaktbörse und Austauschpartner für in- und ausländische Studenten, Forscher, Wissenschaftler, die über oder in Namibia arbeiten. Mittlerweile haben mehrere ausländische Universitäten und Nicht-Regierungs-Organisationen einen formellen bilateralen Vertrag mit TUCSIN geschlossen. Dieser beinhaltet gegenseitigen offenen Informationsaustausch, die Nutzung der technischen Einrichtungen von TUCSIN, Hilfestellung bei Behördengängen, das Ausrichten von Tagungen, gemeinsame Entwicklung von wissenschaftlichen Programmen, Vorträge und Trainingsmaßnahmen für TUCSIN-Studenten.
Die Universitäten von Barcelona, Spanien, Toronto, Kanada, und Austin, Texas, haben bereits das sog. TUCSIN-Agreement unterschrieben. Erstere entsendet v. a. Lehrer in Praktikum. Der Austausch mit Toronto und Austin hat seinen Schwerpunkt in anthropologischen Studien und Exkursionen der beiden Professoren Richard Lee und Megan Biesele und deren Studenten. Zwei deutsche Universitäten sind kurz davor, das sog. TUCSIN-Agreement zu unterschreiben.
Jeden Montag
treffen sich die Studenten der Aufbaukurse für ein zusätzliches
Vortragsprogramm. Hier berichten kooperierende ausländische Wissenschaftler,
ehemalige TUCSIN-Absolventen, Leute, die im Berufsleben stehen von und über
ihrer Arbeit. Dies ist kann man auch als eine Art praktische Berufsberatung
verstehen, in jedem Fall aber erweitert es den Horizont der Studenten.
TUCSIN-Ehemaligen-Vereinigung
(Alumni Association)
Eine
positive Entwicklung nimmt die Vereinigung der über 700 ehemaligen Studenten
von TUCSIN. Simeon Amunkete ist dabei, eine aktuelle Datenbank aller Ehemaligen
zusammenzustellen. Er ist Absolvent des Aufbaukurses von 1986 und arbeitet
nun an gehobener Stelle bei Nampower, dem namibischen Energieversorger. Auf
diese Weise entsteht ein "Brain-Pool" einheimischer Experten wie auch finanzieller
Unterstützer von TUCSIN. Einmal im Monat wird das sog. Alumni-Update,
ein elektronischer Rundbrief, verschickt. Das jährliche Treffen der
Ehemaligen fand am 6. Juli 2002 statt und hatte das Thema: Globalisierung
und Namibia.
Kurse und Stipendien
Das wenig differenzierte, fast schon uniform arbeitende namibische Schulsystem fördert zwar die Masse der Schüler in ihrer Gesamtheit, führt aber zu einer schleichenden Entwertung namibischer Schulabschlüsse, die ohnehin nur von einer Minderheit von Schülern nach 12 Jahren Schule erreicht werden. Ursache sind schlecht ausgestattete Schulen und ungenügend ausgebildete Lehrer. Das zu erwerbende IGCSE (International General Certificate of Secondary Education) wird nur noch von UNAM, der namibischen Universität, und den Hochschulen in Botswana anerkannt. Das international anerkannte HIGCSE (Higher International General Certificate of Secondary Education) mit Zugangsberechtigung für Universitäten in Südafrika oder Übersee wird erfolgreich nur an wenigen namibischen Privatschulen angeboten, welche ohnehin nur von Kindern aus begüterten Häusern besucht werden können. Theoretisch könnte TUCSIN Aufbau-Kurse für den Erwerb des HIGCSE einrichten, aber diese wären dann zweijährig und somit für die Teilnehmer zu teuer. So bleibt TUCSIN vorerst bei der Struktur der einjährigen Aufbau-Kurse, die es IGCSE-Absolventen erlauben, einzelne oder mehrere Fächer zu wiederholen oder zu verbessern.
Aufbaukurse
Die gestiegenen Teilnehmerzahlen der diesjährigen Aufbau-Kurse sprechen in diesem Zusammenhang Bände. 122 Teilnehmer in Windhoek und 85 in Oshakati schrieben sich für diesen Typ von Kurs ein, der ganztägig unterrichtet wird und inhaltlich Schwerpunkte in den Fächern Biologie, Naturwissenschaften, Mathematik und Englisch setzt. Alle Studentinnen der Aufbaukurse in Oshakati werden durch das amerikanische Programm EDDI (Education for Development and Democracy Initiative) gefördert.
Die meisten
Absolventen beginnen keine Hochschulausbildung, sondern suchen sich feste
Anstellungen, die mit Abschluss oder mit besserem Abschluss leichter zu finden
sind. Oder sie fügen noch weitere Ausbildungsbausteine wie Lehre und
weitere Kurse von anderen Einrichtungen an.
Die Aufbau-Kurse im Fernstudium (Tutorial Course) wurden in diesem
Jahr von 117 Studenten besucht. Räumlich werden sie im Rössing
Foundation Education Centre abgehalten. Dies sind Teilzeit-Kurse, die gerne
von bereits Berufstätigen in Anspruch genommen werden. Es handelt sich
um dieselben o.g. Fächer, die hier stärker vereinzelt oder hintereinander
belegt werden können.
San Public Relations Kurs
Ende des Jahres 2001 beauftragte WIMSA (Working Group for Indigenous Minorities in Southern Africa) TUCSIN mit der Neuentwicklung eines breit angelegten Kurses für zukünftige San-Mitarbeiter im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, mit dem Ziel, die Selbstverwaltung und Eigeninitiative dieser benachteiligten Gruppe zu stärken. 12 Teilnehmer aus San-Gemeinschaften in Botswana und Namibia nehmen an diesem einjährigen Kurs teil, der Mitte März 2002 begann.
Im Wechsel von jeweils zwei Monaten kommen die Teilnehmer nach Windhoek und erhalten einerseits theoretischen Unterricht in den verschiedenen Teilbereichen dieser ambitionierten Qualifizierungsmaßnahme. Dies schließt Fächer wie Geschichte, Recht, Ethnologie, Landeskunde und Englisch ein. Andererseits gibt es immer wieder praktische Abschnitte wie Exkursionen zu Sehenswürdigkeiten im Land, Besuche des namibischen Parlaments, beim Ombudsmann, Besuche öffentlicher Veranstaltungen in Windhoek, Training im öffentlichem Auftreten wie auch das Leiten von Sitzungen, Protokollschreiben, PR-Arbeit, der Umgang mit Behörden, Touristen und eigenen Leuten. Nach zwei Monaten in Windhoek kehren die Teilnehmer in ihren Heimatort für zwei Monate zurück, und erhalten "Hausaufgaben", die sie im nächsten Abschnitt in Windhoek vorweisen müssen. Insofern merken sie sofort, in wie weit sie neu Gelerntes anwenden können oder nicht und können dies zur Sprache bringen. Entwurf, Planung und Durchführung liegen in den Händen von Dr. B. Sandelowsky.
Stipendienprogramm
Der DAAD (Deutscher
Akademischer Austauschdienst) bleibt der größte Einzelsponsor
des Stipendienprogramms von TUCSIN. Angesichts der oben geschilderten Probleme,
die namibische Schüler mit einem IGCSE-Abschluss erwartet bzw. auf Namibia
und Botswana einschränkt, und angesichts zunehmender Todesfälle
durch HIV/Aids unter qualifizierten, im Berufsleben stehenden Namibianern,
ist es notwendig auch weiterhin in akademische Ausbildung zu investieren.
Ohnehin erhalten Studienanfänger seit Jahren keine Unterstützung
vom DAAD. Die Förderung gilt weit fortgeschrittenen Studenten und sog.
Post-Graduierten, die das Studium bereits mit einer Prüfung beendeten
und nun einen zusätzlichen Abschluss im Fach erwerben wollen. Die Stipendien
werden jedes Jahr neu vergeben, sodass Erfolg oder Nicht-Erfolg über
eine weitere Verlängerung entscheiden. Die diesjährigen 40 Stipendiaten
sind gerade mit ihren letzten Prüfungen befasst. TUCSIN geht davon aus,
dass alle in diesem Jahr gut abschneiden werden. Die Studienschwerpunkte
liegen in diesem Jahr in den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern.
Die erfolgreichen Absolventinnen der Aufbau-Kurse, die letztes Jahr in Ongwediva
stattfanden, konnten sich für eine weitere Förderung durch das
Programm EDDI bewerben. 15 von ihnen begannen daraufhin eine Ausbildung zur
Krankenschwester.
"Ex-DDR-Kinder"-Projekt
Nach wie vor fühlt sich TUCSIN für diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die einen Grossteil ihrer Kindheit in der ehemaligen DDR verbrachten, verantwortlich, auch wenn deren offizielle Förderung 1999 endete. Ohne oder nur mit geringem familiärem Rückhalt versehen, haben sie in der namibischen Gesellschaft kaum eine materielle oder psychologische Unterstützung. Mittels aus- und inländischer Patenschaften versucht TUCSIN ihnen eine Unterkunft, Unterhalt und Ausbildung zu organisieren. Falls Sie an einer Patenschaft interessiert sind, wenden Sie sich bitte an TUCSIN-Windhoek oder TUCSIN-Hamburg.
Waisen-Projekt
Rehoboth Museum
Die traurige
und enttäuschende Entwicklung des Rehobother Museums, welche schon im
letzten TUCSIN-Brief vom Dezember 2001 beschrieben
wurde, hat sich so zugespritzt, dass das Museum die Zusammenarbeit mit TUCSIN
aufkündigte. Letztlich sägte sich das Museum zwar damit den Ast
ab, auf dem es saß, aber wie so oft, wenn einseitige Interessen in
Rehoboth im Spiel sind, scheut man keine Maßnahme, sich selbst zu schädigen.
Das Museum ist nun in Händen einer konservativ gesinnten Baster-Fraktion.
Es wird sich zeigen, ob diese Entwicklung Bestand und Dauer haben wird. An
diesem Ort wird vorerst nicht mehr über das Museum berichtet werden.
Für alle Projekte, insbesondere das "Ex-DDR-Kinder-Programm" und das Stipendienprogramm, die Bibliothek von TUCSIN (Computer, Zeitschriften und Bücheranschaffungen) besteht die Möglichkeit, Patenschaften zu übernehmen und auch Spendenbescheinigungen zu erhalten. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
TUCSIN-Hamburg:
Dr. Cornelia Limpricht,
Willistr. 39
22299 Hamburg, Tel. 040-41467093
E-mail: Formular
TUCSIN-Konto:
c/o Deutsch-Namibische
Gesellschaft,
Stichwort "TUCSIN" und
Projekt und
Name des Spenders,
Dresdner Bank Düsseldorf,
Kto. 211350803, BLZ 30080000
Oder Sie wenden sich
direkt an:
TUCSIN-Windhoek, P.O.Box
1 1 174, Windhoek 9000, Namibia
Tel. 00264-61-224840,
Fax 222544
Email: Formular