Dezember 2001
von Dr. Cornelia Limpricht, Hamburg
TUCSIN - Hamburg
Seit Mai 2001 besitzt TUCSIN eine zweisprachige Homepage: www.tucsin.org, welche dankenswerterweise ehrenamtlich von Sebastian Hofmann, dem Webmaster der Deutsch-Namibischen Gesellschaft (DNG), gestaltet wurde. Hier kann man sich, übersichtlich angeordnet, über die verschiedenen Dienstleistungen von TUCSIN informieren und direkt mit TUCSIN Kontakt aufnehmen. Personalstand, Geschichte, Entwicklung, Vorstand und Satzung sind ebenfalls aufgeführt. Die Statistik der Zugriffe auf die Homepage zeigt, daß das Gros der Anfragen aus den USA und Europa kommt, wenngleich Anfragen aus Afrika und Namibia zunehmen. Pro Tag sind etwa 40 Zugriffe auf die Homepage zu verzeichnen.
Mit freundlicher Hilfe von Klaus A. Heß, dem Präsidenten der DNG, erhielt TUCSIN eine finanziell sehr günstige Webadresse einschl. Speicherkapazität beim Provider.
2002 jährt sich
nicht nur das 25-jährige Jubiläum der DNG, sondern auch das 10-jährige
Jubiläum der partnerschaftlichen Zusammenarbeit der DNG mit TUCSIN.
Dies war einer der Gründe, weshalb der DNG-Vorstand anlässlich
seiner Namibia-Reise am 21.11.01 TUCSIN besuchte.
Windhoek TUCSIN-House
Die stagnierende Situation der Aus- und Weiterbildung in Namibia erforderte, dass TUCSIN 2000 mit Kursen in Nordnamibia, in Ongwediwa begann, obgleich die Fördermittel ausländischer Organisationen zunehmend knapper werden. Letztlich ist es aber vernünftiger, Ausbildung in den bevölkerungsreichen Norden zu bringen, als junge Leute zu ermutigen, nach Windhoek zu kommen. Ein eigener Projektleiter für den Norden wurde aufgrund fehlender Mittel nicht angesteltt, man arbeitet dort nur mit Teilzeitkräften.
Die Mindereinnahmen ausländischer Sponsoren führen dazu, dass die Bibliothek von TUCSIN z.Z. nur stundenweise öffnen kann, da das Personal reduziert werden mußte. Die Ursache geringerer Förderung liegt nicht in der Arbeit von TUCSIN, sondern an der jahrelangen Beteiligung Namibias am Krieg im Kongo. Aus Protest reduzierten etliche europäische Länder ihre Zuwendungen in Richtung Namibia.
Personal
Zur Zeit hat TUCSIN 28 Mitarbeiter, von denen die Mehrzahl halbtags angestellt ist. Die meisten davon sind LehrerInnen. Ende 2001 ging die Mitbegründerin und langjährige Leiterin von TUCSIN, Dr. Beatrice Sandelowsky, in den "wohlverdienten Unruhestand". Ihren Vorsitz des TUCSIN-Vorstandes wird sie bis auf weiteres noch nicht abgeben und ferner auch TUCSIN "für besondere Angelegenheiten" erhalten bleiben. Ihre Nachfolgerin ist die langjährige Mitarbeiterin und Lehrerin Henriette Rispel.
TUCSIN 2000
Seit seiner Gründung 1978 entwickelt TUCSIN als Vorreiter Projekte und Formen der Zusammenarbeit einheimischer und ausländischer Menschen, Studenten und Forscher, Organisationen und Institutionen, die an namibischen Themen interessiert sind. 1978 galt es als vermessen, eine Universität für Namibia zu fordern, heute gibt es sie. In den achtziger Jahren galt es als unmöglich, junge Namibianer auf eine universitäre Ausbildung vorzubereiten, heute haben über 750 Namibianer ihre Abschlüsse mit Hilfe von TUCSIN erhalten und arbeiten in guten Positionen in der Wirtschaft, der öffentlichen Verwaltung und im Dienstleistungssektor.
TUCSIN hat sich zu
einem Forschungs- und Ausbildungszentrum entwickelt. Seit letztem Jahr wurde
das sog. informal education programme in TUCSIN 2000 umbenannt, mit
dem Ziel, eine stärker institutionalisierte Form des Austausches mit
ausländischen Universitäten, Museen und Nicht-Regierungs-Organisationen
in Namibia zu erreichen. Beiträge aus- und inländischer Wissenschaftler
und Fachleute geben und gaben in Form von Vorträgen, Seminaren und Exkursionen
wertvolle Anstöße. Im Februar 2001 hielt Prof. Dr. Obermair, Universität
Regensburg, ein 14-tägiges Seminar einer Introduction to modern mathematics
ab. Mathematiklehrer aus ganz Namibia, die TUCSIN-Aufbaukurs-Studenten und
etliche namibische Mathe-Cracks nahmen mit großer Begeisterung daran
teil. Im Mai 2001 partizipierten TUCSIN-Studenten am Intercultural dialogue-Programm
der Universität Witten-Herdecke. Die Universität Barcelona entsandte
erneut zwei Lehramtskandidaten für zwei Monate zu TUCSIN. Etliche Wissenschaftler
des Sonderforschungsbereiches ACACIA der Universität zu Köln nehmen
die Dienstleitungen von TUCSIN während ihrer Namibia-Aufenthalte in
Anspruch. Im Rahmen einer sinnvollen Berufsberatung und -findung der TUCSIN-Studenten
findet jeden Montag ein Vortrag von wechselnden Experten statt, die über
ihr jeweiliges Berufsfeld sprechen. So berichteten z.B. der kanadische Prof.
Richard Lee und seine acht Studenten über ihre Arbeit an einem regierungsnahen
Anti-Aids-Projekt. Dr. B. Sandelowsky hielt insgesamt neun Veranstaltungen
zum Thema "Archaeology in Namibia" und "Human Evolution" bei UNAM und für
die Aufbaukurs-Studenten ab.
Kurse und Stipendien
Am 27. Juli 2001 luden TUCSIN und der Minister of Higher Education, Nahas Angula, zu einer Fundraising-Veranstaltung im Windhoeker Country-Club ein. Neben Ansprachen ehemaliger TUCSIN-Stipendiaten und des Ministers führten die Absolventen der Aufbaukurse einen selbst geschriebenen und inszenierten Sketch auf, der das "Leben und Lernen bei TUCSIN" vorführte und von den Gästen begeistert auf genommen wurde. Etliche der ehemaligen Stipendiaten bekräftigten ihre Verpflichtung, nachdem sie nun gute Positionen beispielsweise als Internist, Rechtsanwalt oder auch Universitätsdozent erreicht haben, etwas für TUCSIN und die heutigen Kursteilnehmer zu tun. Denn im Gegensatz zu diesen erhielten fast alle Teilnehmer der Aufbaukurse in den achtziger Jahren Stipendien.
Aufbaukurse
Die Ergebnisse der Aufbaukurse für Schulabgänger, die eine Hochschulzulassung erreichen oder ihre Gesamtnote verbessern und das IGCSE (International General Certificate of Standard Education) erreichen wollen, waren im Jahr 2000 sehr vielversprechend.
Eindrucksvolle Statistiken verdeutlichen anhand der aufgeführten Fächer Biologie, Naturwissenschaften, Mathematik und Englisch die Fortschritte, die die 144 Teilnehmer in Windhoek (104) und Ongwediwa (40) durch TUCSIN machten. 2001 waren es 117 Teilnehmer in Windhoek und 60 in Ongwediwa. 2001 förderte das amerikanische Programm EDDI (Education for Development and Democracy Initiative) 40 Studentinnen der Aufbaukurse in Ongwediwa. Annähernd 100 StudentInnen aus sozial schwachen Familien erhielten für ihre Teilnahme an den Aufbaukursen Zuschüsse vom Ministerium für Higher Education.
Aufbaukurse im Fernstudium (Tutorial Course): 70 Teilnehmer entschieden sich im Jahr 2000 für diesen Kurs, 90 Teilnehmer waren es 2001. Naturgemäß gibt es bei diesem Kurs weniger "frontalen" Unterricht. Er dient, da viele der Teilnehmer schon im Berufsleben stehen, zur Verbesserung einzelner Fächer und auch der Weiterbildung. Mit dem erfolgreichen Abschluss einer oder mehrerer Fächer steht Arbeitnehmern in Namibia ein höheres Gehalt zu. Im Gegensatz zu den Aufbaukursen, bei denen bis zu sechs Fächer belegt werden können, stehen hier max. drei Fächer zu Wahl (Biologie, Wirtschaftskunde, Physik, Chemie, Englisch, Wirtschaftsgeografie und Mathematik).
Stipendienprogramm
Im Jahr 2000 förderte
der DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) 43 StudentInnen, von denen
18 einen Studienabschluss erhielten. 24 Studentlnnen wurde ein weiteres Studienjahr
bewilligt, so dass zusammen mit 16 Neuzulassungen im Jahr 2001 der DAAD 39
Stipendien über TUCSIN vergab. Bevorzugte Studienorte sind nach wie
vor südafrikanische Universitäten, v.a. die Universitäten von
Stellenbosch und Pretoria, wenngleich die Anzahl der StudentInnen an der
Universität von Namibia (UNAM) zunimmt. Auffallend ist, dass bei den
Lehramtsfächern die naturwissenschaftliche Ausrichtung dominiert, Geisteswissenschaften
und Sprachen praktisch nicht vorkommen, ansonsten aber ein Großteil
der Studierenden sich medizinischen Fächern zugewendet hat. Etwa ein
Drittel der StudentInnen sind in Studiengängen mit technischer oder
ökonomisch-administrativer Ausrichtung.
"Ex-DDR-Kinder"-Projekt
Auch wenn seit zwei Jahren jede offizielle ausländische Förderung der sog. Ex-DDR-Kinder aufgehört hat, kümmert sich TUCSIN weiterhin um die Jugendlichen. Diese Jugendlichen, die mit der Unabhängigkeit Namibias aus der DDR nach Namibia repatriiert wurden, haben aus verschiedenen Gründen, sei es durch Tod oder Desinteresse der Eltern oder eines Elternteils, niemanden, der sich um sie kümmert. 70 Jugendliche gehen noch zur Schule, ein weiterer Teil befindet sich mit etwas Glück in der Berufsausbildung und ist auf Unterstützung angewiesen. Es besteht z.B. die Möglichkeit, mit Hilfe von Patenschaften hier zu helfen. Wenn Sie an einer Patenschaft interessiert sind, wenden Sie sich bitte an TUCSIN-Windhoek oder Hamburg.
Da TUCSIN mit der Betreuung
von Waisen Erfahrung hat, seien es Sozialwaisen oder "echte" Waisen, ist
ein weiteres Projekt, die Betreuung von HIV-Aids-Waisen, in Vorbereitung.
Man muss davon ausgehen, dass ein Viertel der namibischen Bevölkerung
HIV-positiv ist.
Rehoboth Museum
Durch einen Interessenkonflikt zweier Mitglieder des Vorstands verstärkten sich zu Beginn 2001 die verwaltungstechnischen Probleme des Museums. ln einer für Rehoboth typischen Weise entstanden Missverständnisse bezüglich der Leitung und der Struktur des Museums. Dies führte zu einem Balanceakt zwischen dem für Museen zuständigen zweiten Kultusministerium (Basic Education and Culture) und dem Rehobother Stadtrat. Der traditionelle Kapteinsraad, der nur eine Minderheit konservativer Rehobother Baster vertritt und dem die offizielle Anerkennung von namibischer Regierungsseite fehlt, wurde von den beiden genannten Vorstandsmitgliedern polarisierend mit einbezogen. Das Kultusministerium zog mittlerweile seine finanzielle Unterstützung zurück und der Stadtrat wurde Mitte des Jahres 2001 wegen Missmanagement abgelöst und neu konstituiert. Zur Zeit laufen zähe Verhandlungen mit dem neuen Stadtrat, dem gespaltenen Vorstand des Museums und dem Kultusministerium, um die Verwaltung des Museums wieder zu normalisieren.
Trotz dieser schwierigen Situation, wurden zwei Projekte in diesem Jahr mit deutscher Hilfe realisiert:
Im Januar 2001 fand der zweite Teil des Mitarbeiteraustausches Rehoboth-Einbeck statt, der vom deutschen Auswärtigen Amt gefördert wurde. Ausstellungstechnische Beratung stand hierbei im Vordergrund, hinzu kam eine museumspädagogische Aktion für 55 Rehobother Kinder und Jugendliche aus zwei Rehobother Schulen zum Thema Hirse in Europa und Namibia. Ferner wurde eine neue Version des traditionellen OWELA-Spiels entwickelt.
Von September bis Dezember
2001 entwarf und plante Dr. Martin Berger, bis vor kurzem am Westfälischen
Museum für Naturkunde in Münster tätig, eine neue naturkundliche
Ausstellung für das Rehoboth Museum. Seine regelmäßigen Exkursionen
mit Rehobother Schülern zum Thema Natur und Umwelt wurden dankbar angenommen.
Gefördert wurde sein Aufenthalt durch die deutsche Organisation SES
(Senior Experten Service).
Für alle Projekte, insbesondere das "Ex-DDR-Kinder-Programm" und das Stipendienprogramm, die Bibliothek von TUCSIN (Computer, Zeitschriften und Bücheranschaffungen), aber auch das Rehoboth Museum besteht die Möglichkeit, Patenschaften zu übernehmen und für alle Zuwendungen Spendenbescheinigungen zu erhalten. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
TUCSIN-Hamburg:
Dr. Cornelia Limpricht,
Willistr. 39
22299 Hamburg, Tel. 040-41467093
E-mail: Formular
TUCSIN-Konto:
c/o Deutsch-Namibische
Gesellschaft,
Stichwort "TUCSIN" und
Projekt und
Name des Spenders,
Dresdner Bank Düsseldorf,
Kto. 211350803, BLZ 30080000
Oder Sie wenden sich
direkt an:
TUCSIN-Windhoek, P.O.Box
1 1 174, Windhoek
Tel. 00264-61-224840,
Fax 222544
Email: Formular